Verspätete Weinlese im Burgund

Dem Wein im Burgund wurde in diesem Frühjahr übel mitgespielt: Im April kam es je nach Höhe der Weinlagen zu massiven Frostschäden und im Mai folgten Hagelstürme – mit einem grausamen Höhepunkt am 27. Mai. An diesem Tag war am Nachmittag der Norden des Burgunds betroffen und am späten Abend dann der Süden (Details im Fazit von Christophe Tupinier bei Le Point).

pinot noir aout 2016

Pinot Noir-Traube, bei Santenay, Ende August 2016

Seitdem ist in den betroffenen Lagen viel passiert, der Wein hat neu ausgeschlagen und neue Trauben angesetzt. Dadurch kam es aber zu deutlichen Verspätungen, einerseits bei der Blüte, die teilweise erst Ende Juni eintrat und ein anderer Wendepunkt hat ebenfalls auf sich warten lassen:
Den Beginn der Reife bei den roten Rebsorten erkennt man am Farbwechsel der einzelnen Trauben. Diese Zustandsänderung, die auf Französisch „véraison“ genannt wird, erfolgte in diesem Jahr erst im August.
Die Weinlese selbst hat zwar mittlerweile begonnen, am 10. September wurden die ersten Trauben für Crémant de Bourgogne geerntet (vins-bourgogne.fr vom 13.09.2016). Mit den Rotweinen wird aber noch gewartet, so geht es mit den „vendanges“ wohl erst in einer Woche richtig los.
Die Folgen der diesjährigen Komplikationen für die einzelnen Winzer fallen sehr unterschiedlich aus, je nach dem wo und in welcher Höhe ihre Weinberge liegen. Für einen Winzer, mit dem ich Ende August gesprochen habe und dessen Lagen eher höher liegen (zum Beispiel bei Auxey Duresses), droht ein katastrophales Jahr. Er fürchtet, dass er 2016 im Vergleich zum Vorjahr nur halb soviel Wein ernten wird.

Nicht jeden treffen die Verluste so gravierend, aber der Schaden für die Weinregion im Ganzen ist mit Sicherheit erheblich.
Nach einer Erhebung, die der burgundische Dachverband CAVB durchgeführt hat, kann es dazu kommen, dass in diesem Jahr nur eine Million Hektoliter Wein geerntet werden, während 2015 und 2014 jeweils mehr als 1,5 Millionen Hektoliter eingefahren wurden.

Zum Vergleich:

  • Im deutschen Weinanbaugebiet Rheinhessen wurden 2014 2,5 Millionen Hektoliter geerntet und damit lag der Ertrag bei durchschnittlich 100 hl/ha (Hektoliter pro Hektar).
  • Im Rheingau wurden 2014 224.000 Hektoliter geerntet, was in diesem wesentlich kleineren Weinanbaugebiet einen durchschnittlichen Ertrag von 73 hl/ha ergibt.

(Diese Zahlen stammen aus der Statistik des Deutschen Weininstituts, Download des PDF-Dokuments)

Trotz allem ein schöner Ausblick: Weinlage bei Santenay, Ende August 2016

Trotz allem ein schöner Ausblick: Weinlage bei Santenay, Ende August 2016

Vermutlich wurden aufgrund der schlechten Ertragsprognosen dieses Jahr die Beschränkungen für die Erntemengen für die Rotweine im Burgund gelockert. Der CAVB hat die für 2016 erlaubte Höchstmenge pro Hektar um je zwei Hektoliter auf 62 bzw. 60 hl/ha angehoben (wir erinnern uns an die 100 hl/ha für Rheinhessen oder die 73 hl/ha im Rheingau):

(Diese Vorgaben stammen von der CAVB, Download des PDF-Dokuments 2016 und des Dokuments für 2015. In diesen Unterlagen steht auch, welche Bestimmungen hinsichtlich Erntemengen oder Mindestzuckergehalt für die ganz großen Lagen des Burgunds gelten. Für Romanée-Conti oder La Tâche gilt beispielsweise eine maximale Erntemenge von 35 hl/ha.)

Welche Konsequenzen die meteorologischen Schicksalsschläge auf die Quantität und besonders die Qualität der einzelnen Burgunderweine haben werden, werden wir im Laufe der nächsten Monate feststellen.

3 Gedanken zu „Verspätete Weinlese im Burgund

  1. Tobias

    Hallo!

    Das ist ja mal ein interessanter Bericht!!

    Man kann also wahrscheinlich anstatt 1,5 Millionen Hektolitern nur noch 1 Hektoliter ernten? Also 1/3 weniger? Wow! Das hätte ich nicht gedacht!

    LG

    Tobias

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    1. B H

      Hallo und Danke!

      Richtig, es wurde mit 1/3 Ausfall gerechnet.
      Am 13. März 2017 hat nun der CVAB eine Pressekonferenz zur burgundischen Ernte 2016 gehalten (http://cavb.fr/conference-de-presse-recolte-2016/) und die endgültigen Zahlen veröffentlicht. Es ist nicht ganz so schlimm gekommen wie befürchtet. Einige Orte sind aber tatsächlich stärker betroffen als andere. Offenbar kam es zu verhältnismäßig hohen Verlusten in der Yonne-Region, sowie bei Beaune und Volnay.
      Was die schiere Erntemenge in der gesamten Region angeht, so ist es doch mehr geworden als „nur“ 1 Million Hektoliter. Auf Seite 4 der Statistik für 2016 (http://cavb.fr/wp-content/uploads/2017/03/PRESENTATION-RECOLTE-2016-2.pdf – PDF) sind 1.221.628,55 hl genannt, im Vergleich zu 1.521.758,73 hl 2015.

      Viele Grüße,
      Bruno

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